Das war die 10 Jahresfeier der BiMM
4. März 2026 | Universitäts- und Forschungszentrum Tulln
Konrad-Lorenz-Straße 24 | 3430 Tulln
Die Suche nach dem „verborgenen Schatz“
Vor zehn Jahren begann am Technopol Tulln eine neue Reise in die verborgene Welt der Pilze und Mikroorganismen. Die Forschungsplattform BiMM („Bioaktive Mikrobielle Metaboliten“) wurde gegründet, um das bisher ungenutzte Potenzial mikrobieller Stoffwechselprodukte für Landwirtschaft, Biotechnologie und Medizin zu erschließen. Am 4. März 2026 trafen sich Wissenschaftler:innen, Kooperationspartner:innen und Förderer um auf eine Dekade voller Erfolge, aber auch Herausforderungen zurückzublicken und einen Blick in die Zukunft zu werfen.
BEGRÜSSUNG UND ERÖFFNUNGSVORTRAG
Joseph Strauss BiMM Projektleitung | BOKU University
„Epigenetische Forschung. Vom kontroversen Konzept zur Entdeckung neuer Wirkstoffe.“
In seinem Eröffnungsvortrag über Konzept, Ergebnisse und Zukunft der BiMM gibt der wissenschaftliche Leiter Univ.Prof. Joseph Strauss einen tieferen Einblick in das Thema. Weltweit sind etwa 150.000 Pilzarten beschrieben, doch Genomstudien deuten auf zwei bis sechs Millionen bisher unentdeckte Arten hin. Jede einzelne beherbergt zwischen 30 und 60 sogenannte biosynthetische Gencluster, die als „Schatzkarten” fungieren und für die Produktion bioaktiver Substanzen kodieren. Doch in den gängigen chemischen Datenbanken sind gerade einmal 35.000 Pilzmetaboliten verzeichnet. Die Frage, die das BiMMTeam antreibt: Wie finden wir den Rest?
Auf Basis von langjähriger Grundlagenforschung über die Epigenetik der Metabolitenproduktion arbeitet nun die BiMM bereits seit ca. 10 Jahren mit einer Kombination aus Laborautomation, High-Throughput-Screening und interdisziplinärem Know-how an dem Thema und hat seither einige Millionen von Aktivitätstests durchgeführt. Das Ergebnis: unzählige neuartige bioaktive Substanzen aus Pilzen, ein neues Enzym, 20 zusätzliche wissenschaftliche Projekte, Industriekooperationen und mehr als 60 hochrangige wissenschaftliche Publikationen.
Joseph Strauss (BiMM Projektleitung, BOKU University, Institut für Mikrobielle Genetik)
PARTNERSCHAFT IM DIALOG | FÖRDERINSTITUTIONEN UND REKTORATE AM PODIUM
Ein zentrales Thema der Jubiläumsfeier war die Bedeutung von Infrastruktur und Fördermitteln für erfolgreiche Forschung. Forschung braucht nicht nur Ideen, sondern auch moderne Geräte und langfristige Unterstützung.
Im Rahmen der Podiumsdiskussion „Partnerschaft im Dialog“ debattierten Nora Sikora-Wentenschuh (Vizerektorin, BOKU University), Matthias Gauly (Rektor, VetMedUni Wien), Martina Marchetti-Deschmann (Vizerektorin, VetMedUni Wien), Thomas Weldschek (Abteilungsleiter, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung), Martina Höllbacher (Abteilungsleiterin, Amt der NÖ Landesregierung) und Christoph Kaufmann (Abgeordneter zum NÖ Landtag, in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner) über die Bedeutung von Struktur- und Projektförderungen. Dabei zeigte sich: Exzellente Forschung benötigt nicht nur State-of-the-Art-Maschinen und -Geräte, sondern auch die langfristige Förderung von Fachpersonal, das diese Technologien kompetent einsetzt.
Matthias Gauly (Rektor, VetMedUni Wien), Nora Sikora-Wentenschuh (Vizerektorin, BOKU University), Martina Marchetti-Deschmann (Vizerektorin, VetMedUni Wien), Martina Höllbacher (Abteilungsleiterin, Amt der NÖ Landesregierung), Thomas Weldschek (Abteilungsleiter, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung), Christoph Kaufmann (Abgeordneter zum NÖ Landtag, in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner), Angelika Weiler (ecoplus, Moderation)
SCIENCE FLASH TALKS | BiMM KOOPERATIONEN
Technologie und Teamwork
Der Erfolg der BiMM basiert auf einer Kombination aus modernster Infrastruktur, einem interdisziplinärem Team und offenen Kooperationen. Die moderne Infrastruktur mit High-Throughput-Screening, automatisiertem Labor- Handling und massenspektrometrischen Analysen ermöglicht es, komplexe mikrobiologische Screenings effizient durchzuführen. Das interdisziplinäre Team vereint Expertise aus Mikrobiologie, Genetik, Chemie und Bioinformatik und schafft so die Grundlage für innovative Forschungsansätze.
Entscheidend ist zudem das offene und vertrauensvolle Umfeld aus Institutionen und Unternehmen, das eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit fördert. Gerade diese tolle Zusammenarbeit wurde von den Kooperationspartner:innen auch in den Science Flash Talks besonders betont. Martin Wagner (BiMM Co-Projektleitung, VetMedUni Wien), Christoph Schüller (BOKU Core Facility Bioactive Molecules Screening & Analysis), Angela Sessitsch (AIT Austrian Institute of Technology), Doris Ribitsch (BOKU Institut für Umweltbiotechnologie), und Florian Zerulla (Kwizda Agro GmbH) präsentierten hier aktuelle Kooperationsprojekte und zukünftige Ideen.
Martin Wagner, BiMM Co-Projektleitung, Veterinärmedizinische Universität Wien
Christoph Schüller, BOKU Core Facility Bioactive Molecules Screening & Analysis
Angela Sessitsch, AIT Austrian Institute of Technology GmbH
Doris Ribitsch, BOKU University
Rudolf Krska, BOKU University
Florian Zerulla, Kwizda Agro GmbH
CITIZEN SCIENCE: „Ein Schulprojekt, eine Kuhstallwand und der Nachweis einer bislang unbekannten Pilzart.“
HBLFA Francisco Josephinum Wieselburg und das Sparkling Science Projekt PiNET
Ein besonderer Moment der Jubiläumsfeier war die Ehrung der HBLFA Francisco Josephinum Wieselburg. Im Rahmen des Sparkling-Science-Projekts „PiNet“ entdeckten Schüler:innen gemeinsam mit dem BiMM-Team eine neue Pilzart. In Anerkennung des großen Engagements von Lehrenden und Lernenden wurde die Pilzart nach der Schule benannt: „Gymnascella
wieselburgensis“.
PiNet-Projekt-Team: Joseph Strauss (BOKU University), Gudrun Nagl (HBLFA Francisco Josephinum Wieselburg), Claudia Puck (Mindfloat), Manuela Berger (HBLFA Francisco Josephinum Wieselburg), Anton Hametner (HBLFA Francisco Josephinum Wieselburg).
PiNet – Das Internet der Pilze
FESTVORTRAG ZU WISSENSCHAFT & GESELLSCHAFT
Klaus Taschwer, Autor und Wissenschaftsjournalist
„Der Fall Paul Kammerer: Die Epigenetik und das abenteuerliche Leben des umstrittensten Biologen seiner Zeit“
Den Festvortrag hielt Klaus Taschwer (Autor und Wissenschaftsjournalist) zum Thema „Epigenetik und Politik: Der Fall Paul Kammerer und die Folgen im 20. und 21. Jahrhundert“, der die gesellschaftliche Relevanz von Forschung unterstrich. Er schließt damit den Bogen von der epigenetischen Steuerung in Pilzen bis zu den damaligen, wissenschaftlich und gesellschaftlich umstrittenen Anfängen der Epigenetik-Forschung rund um eine Gruppe österreichischer Zoologen.
Klaus Taschwer (Autor und Wissenschaftsjournalist)
Uraufführung der Virtual-Reality-Experience
„Mit dem BiMM-Forschungsschiff auf der Suche nach neuen Substanzen“
Beeindruckt waren die Gäste auch von der Uraufführung des Virtual-Reality-
Films „Mit dem BiMM-Forschungsschiff auf der Suche nach neuen
Substanzen“. Claudia Puck und Johann Steinegger nehmen in diesem Film die
Besucher:innen mit auf eine immersive Reise durch die verborgene Welt der
Pilze und machen so die Faszination der BiMM-Forschung für alle erlebbar.
Creating Living Self-Revealing Artworks
Schimmel-3D-Drucker
Das Schimmeldrucker-Projekt „MOLD PRINTER – Creating Living Self-Revealing Artworks“, von Valentin Postl und Wolfgang Schwendtbauer, zeigte eindrucksvoll wie offen die BiMM auch für unkonventionelle Wege der Wissenschaftskommunikation ist. Die beiden Studenten der University of Applied Sciences Upper Austria – Interactive Media nutzen einen modifizierten 3D-Drucker, um unsichtbare Bilder zu erstellen, die sich in 2–3 Tagen durch Schimmelwachstum „offenbaren“. Mit Sporensuspensionen im Nährmedium entstehen einzigartige, organisch wachsende Kunstwerke, präzise im Druck, aber unvorhersehbar im Ergebnis. Und genauso wie jedes Bild ein Unikat ist, ist doch jedes Bild vergänglich.https://www.bimm-research.at/wp-admin/post.php?post=2725&action=edit#save
Valentin Postl und Wolfgang Schwendtbauer vor dem „Schimmeldrucker“.
Die BiMM beweist: Spitzenforschung entsteht dort, wo Neugier auf Expertise und vertrauensvolle Zusammenarbeit trifft. Zehn Jahre nach ihrer Gründung ist sie nicht nur ein Aushängeschild für das Technopol Tulln, sondern ein
Leuchtturm für nachhaltige Bioinnovation.
Das gesamte Team der BiMM freut sich auf weitere wissenschaftliche Begegnungen, möglicherweise bei einer der nächsten BiMM-Veranstaltungen!
The Institute of Microbial Genetics and the Bioactive Microbial Metabolites (BiMM) Research Platform together with the Institute of Microbiology and Microbial Biotechnology invites to a ONE-HEALTH PERSPECTIVE Minisymposium
FROM ANTIFUNGAL RESISTANCE TO BIOTECH SOLUTIONS
on Friday, 17 April 2026, 13 pm – 17 pm
with a scientific program and a subsequent get-together.
BOKU University Campus Muthgasse
Armin Szilvinyi Haus – Lecture Hall 1 Muthgasse 18, 1190 Vienna

























































































